Recht und Gerechtigkeit

Recht und Gerechtigkeit

 

Auch wenn sich diese zwei Begriffe ähnlich anhören, haben sie so gut wie gar nichts gemeinsam! Gerechtigkeit ist eins der höchsten Prinzipien und Ziele der göttlichen Ordnung. Sie schenkt uns die Freiheit aus Liebe zum Leben. Dabei ist niemand höher oder niedriger, und niemand verurteilt niemanden.

 

Doch bei uns Menschen sieht es ganz anders aus.

 

Wir wollen zwar Gerechtigkeit erfahren, aber nicht gerecht sein.

Aus diesem Widerspruch sind unsere Rechtssysteme entstanden.

 

Wir verurteilen einander, belasten uns mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, während jeder sich selbst für unschuldig hält. Solange wir die Schuldfrage klären wollen und einen Schuldigen suchen, den wir dann verurteilen können, wird es in dieser Welt keine Gerechtigkeit gegeben. Solange es keine Gerechtigkeit in unserer Welt gibt, wird es auch keinen Frieden geben. Ohne Frieden sind Konflikte und Kriege vorprogrammiert.

 

Unsere Richter verdienen ihr Geld mit der Verurteilung und Bestrafung der angeblichen Schuldigen, die sie noch nie gesehen und kennengelernt haben. Obwohl sie bei der Tat nicht dabei waren, müssen sie ein Urteil abgeben. Im Namen des Volkes wird das Volk immer wieder verurteilt. Die Frage ist: inwieweit ist es der Wille des Volkes, verurteilt zu werden?!

 

Das menschliche Rechtssystem ist in der ganzen Welt auf der Schuldfrage aufgebaut. Damit werden den Menschen Rechte zu und abgesprochen. Auf diese Weise entscheidet jeder Richter anders als sein Kollege in anderen Ländern, Städten und sogar im nächsten Verhandlungsraum.

 

Deshalb ist die Gerechtigkeit in der Hand der Menschen zu einer Verhandlungssache geworden. Es geht nicht mehr darum, ob etwas gerecht ist oder nicht, sondern wer besser verhandeln kann. Gerechtigkeit ist wie der Handel auf dem Flohmarkt zu einer Verhandlungssache zwischen einem ehrgeizigen Staatsanwalt und dem geldgierigen Verteidiger geworden.

 

Auch wenn sich die meisten Anwälte, Staatsanwälte und Richter gewissenhaft Mühe geben, haben wir Menschen nicht die Macht und Befugnis, Gerechtigkeit zu bestimmen, sondern sie zu erkennen und walten zu lassen.

 

Es gibt kein gerechtes Urteil,

denn jedes Urteil ist eine Verurteilung,

und jede Verurteilung ist ungerecht,

(Wer ohne Sünde und Fehler ist, möge den ersten Stein werfen).

 

Wer gerecht ist, verurteilt nicht,

wer verurteilt, hat die Liebe noch nicht verstanden.

 

Solange es Verurteilungen gibt,

wird es keine Gerechtigkeit geben,

sondern nur Konflikte und Kriege.

 

Denn bei der wahren Gerechtigkeit gibt es niemals eine Verurteilung, sondern nur Aufklärung. Denn Menschen, die etwas Böses tun, sind nicht böse, sondern im Geiste verirrt und werden deshalb Marionetten des Bösen.

 

Eine Verurteilung oder eine Inhaftierung vergrössert das Böse in den Menschen. Diejenigen die Böses tun, brauchen eine geistige Aufklärung aus Liebe, Verständnis, Geld und Barmherzigkeit. Denn wir können das Böse in den Menschen nicht mit Gewalt, Verachtung und Hass beseitigen, sondern nur mit Vergebung und Liebe.

 

Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.

 

Die menschliche Gerechtigkeit bringt uns nur Rachegefühle, Gewalt und Zerstörung.

Doch die Gerechtigkeit Gottes führ uns brüderlich zusammen und macht aus Täter und Opfer Geschwister, die sich verzeihen und wieder lieben.

 

 

 

Quelle dieses Textes:

 

Saeed, Triumph der Liebe über das Ego – Anleitung zur Glückseligkeit, Lichtwanderer Verlag, 2016.

ISBN 978-3-946082-04-0


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